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Trauermetten am Karfreitag und Karsamstag

Veranstaltung

Titel:
Trauermetten am Karfreitag und Karsamstag
Wann:
Freitag, 10. April 2020, 09:00 h - Samstag, 11. April 2020, 09:40 h
Wo:
Citykirche St.Michael Göttingen - Göttingen
Kategorie:
Liturgie

Beschreibung

Alle meine Freunde haben mich verlassen – Omnes amici mei dereliquerunt me

Seit Jahrzehnten beginnen die Kartage in St. Michael mit den Trauermetten. Sie dienen der spirituellen Einstimmung in die Feier vom Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu Christi.

An jedem der zwei Tage folgt dreimal hintereinander auf einen Psalm mit Kehrvers eine Lesung mit einem Antwortgesang. Die Lesungen sind dem Buch der Klagelieder des Jeremias entnommen. Darin klagt der Verfasser über die von Gott abgefallene und zerstörte Stadt Jerusalem. Er entwirft das Elendsbild einer wüsten Stadt, einer in Sack und Asche trauernden Tochter Zion und erkennt darin ursächlich die Strafe für ihre Sünde und Gottesferne. „Jerusalem zum Herrn bekehre dich, kehr um zu deinem Gott“ ist die Mahnung mit der jede Lesung endet. Das Buch der Klagelieder zählt zu den fünf „Festrollen“, aus denen im jüdischen Synagogengottesdienst zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. verlesen wird. Für uns gelten sie seit allen Zeiten, jetzt und heute als Sinnbild für seelische Not, Krieg und Vernichtung.

Die Antwortgesänge sind kontemplative Gesänge. Sie lassen den leidenden Jesus selbst trauern und mit seinen eigenen Worten zu uns sprechen: Alle meine Freunde haben mich im Stich gelassen ... . Meine Seele ist zu Tode betrübt. Ich werde hingehen und mich für euch hingeben. ... Du mein erwählter Weinberg, wie bist du bitter geworden. Mich läßt du kreuzigen und den Barabbas läßt du laufen. … . Heute wirst du mit mir im Paradies sein … . Die Trauermetten rücken das Drama der Kartage in die Gegenwart. Sie malen das Passionsgeschehen vor unser inneres Auge.

Auf dem Altar steht ein Lichterrechen, ein sogenannter Triangelleuchter mit sieben symmetrisch angeordneten Kerzen, deren mittlere Christus symbolisiert. Zu Beginn des Gottesdienstes sind alle Kerzen entzündet. Dreimal im Verlauf der Mette werden zwei Kerzen als Ausdruck dafür gelöscht, daß Jesus von allen seinen Freunden verlassen wird. Am Schluß des Gottesdienstes brennt nur noch die Christus-Kerze. Das Graduale Christus factus est, lange Stille und Gebet beschließen die Feier.

Die Trauermette am Samstag ist der einzige Gottesdienst an diesem Tag der Grabesruhe.


Veranstaltungsort

Standort:
Citykirche St.Michael Göttingen
Stadt:
Göttingen

Beschreibung

Sonntag, den 1. September 2019, 18.30 Uhr St. Michael Göttingen

Der Gottesdienst beginnt mit den Worten des Psalmisten, »miserere mihi, domine, quoniam ad te clamavi tota die ‒ sei mir gnädig, Herr, denn ich habe zu dir gerufen den ganzen Tag«. Er reflektiert die Güte, Milde und überaus reiche Barmherzigkeit des Herrn, die allen zuteil wird, die ihn anrufen. Damit ist im liturgischen Vollzug, wie könnte es anders sein, die ganze versammelte Gemeinde angesprochen.

Machtvoll ist das Wirken des Herrn, heißt es im Zwischengesang. Alle Heiden werden seinen Namen und alle Könige seine Herrlichkeit fürchten. Vom zentralen Ort religiöser Hinwendung, vom Sion ‒ der Kirche, wird er sich in seiner Majestät offenbaren, d.h. er wird unter uns sein, hier und jetzt! Schau her, Herr, heißt es zur Gabenbereitung, laß doch bitte Schande alle treffen, »qui quærunt animam meam ‒ die mein Leben bedrängen«, um es mir zu nehmen.

Die Bitte während des Abendmahls an den Herrn, uns bis ins hohe Alter nicht zu verlassen, erfüllt sich beim Empfang der heiligen Gaben, die, wie verheißen, nichts anderes schenken als ewiges Leben.

Gregorianische Gesänge weisen als wesentliches spirituelles Merkmal eine dialogische Struktur auf. Diese bringt eine Rollenverteilung und damit eine sinnenhaft erfahrbare Dynamik der Liturgie mit sich. Alle befinden sich im Austausch zwischen Gott und den Menschen und den Menschen untereinander.