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Mit einer Bemerkung zu Rorate, dem ersten Wort des Gesanges Rorate cæli desuper et nubes pluant iustum, der in der Messe am vierten Advent zum Eingang gesungen wird, weist die Göttinger Choralschola „cantando praedicare“ Liebhaber und Freunde des Gregorianischen Chorals auf die

  1. Messe am Sonntag, den 19. Dezember um 9.30 Uhr in St. Paulus in Göttingen

hin.

Auffallend ist, daß die Gesänge vom 4. Advent in den Handschriften aus dem Beginn des 9. Jahrhunderts am vierten Advent gar nicht zu finden sind, stattdessen aber am Mittwoch der dritten Woche im Advent. Dort findet sich ein ausgesprochen marianisch geprägtes Meßformular. Es zeugt von der ältesten liturgischen Marienverehrung, nachdem das Konzil von Ephesus (431) das Dogma der Gottesmutterschaft Mariens verkündet hatte. Der Grund für die marianische Prägung ist der Tatsache geschuldet, daß die Papstbasilika Santa Maria Maggiore in Rom an diesem Mittwoch Stationskirche war, also die Kirche, in welcher der Papst an diesem Tag die Messe zelebrierte.

Daß am Mittwoch im Advent sogenannte Roratemessen gefeiert werden, mag auf diesen einen Mittwoch zurückgehen, an dem die Messe mit dem Wort Rorate … eröffnet wurde und mit dem die Feier der Winterquatember begann, der Bittage am Mittwoch, Freitag und Samstag der dritten Woche im Advent.

Die Gesänge dieses Mittwochs wurden später für den vierten Adventsonntag übernommen, an dem wegen der in die Länge sich ziehenden Bittage am Sonnatg nach dem Quatembersamstag keine Messe gefeiert wurde (dominica vacat).

Die Choralschola wünscht sich immer, daß viele Menschen die Schönheit dieser liturgischen Musik, die bis heute in Bezug auf die Textaussage unübertroffen geblieben ist, wahrnehmen und laden ein, sich davon zu überzeugen.